Die Schriftzeichen des Wortes Aikido bedeuten:

ai = Harmonie

ki = geistige und körperliche Kraft

do = Weg im übertragenen, philosophischen Sinn

Der sich Verteidigende bezieht die Kraft des Angriffs (die geistige Kraft in Form des Willens und die rein körperliche Kraft) harmonisch in die eigene Verteidigungstechnik ein. Kreis- und Spiralbewegungen eignen sich besonders gut, Kräfte zu vereinen, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen. Bei allen Techniken ist deshalb der Verteidigende der Mittelpunkt. Er nutzt und lenkt die gegnerische Kraft so, dass er den Angreifer kontrollieren kann, bis die Abwehr mit einem Wurf oder einem Gelenkhebel beendet ist.

Die Endsilbe "do" verdeutlicht den Zusammenhang zwischen AIKIDO als Selbstverteidigungssystem und der asiatischen Philosophie. AIKIDO ist eine Budo-Disziplin (traditionelle Kriegskunst der Samurai), die während des Übens durch das Zusammenspiel von Geist und Körper einen Weg zeigt, die Harmonie mit dem Universum zu erreichen und im Einklang mit der naturgesetzlichen Ordnung zu leben.

Meister Morihei Uyeshiba erlernte erst fast alle traditionellen Kriegskünste der Samurai (viele Richtungen des Jujutsu, Schwertfechten, Lanzentechniken usw. ), bevor er AIKIDO schuf. In Deutschland wird AIKIDO seit 1965 in zahlreichen Vereinen geübt, ist aber noch relativ unbekannt. Der Grund hierfür liegt darin, dass es beim AIKIDO keine spektakulären Techniken - wie z.B. das Zerschlagen von Ziegelsteinen - und keine Wettkämpfe gibt, die im Fernsehen einem grossen Zuschauerkreis gezeigt werden.

Die Unterschiede zwischen AIKIDO und Judo, Jujutsu und Karate können kurz so dargestellt werden:
Alle Judotechniken setzen voraus, dass der Partner die Jacke gefasst hat. Erst nach dem Kontakt mit dem Partner lauern die Kämpfer gleichzeitig auf eine Chance, nach sportlichen Regeln den Gegner zu werfen oder am Boden zu besiegen.
Im AIKIDO wird dagegen stets ein bestimmter Abstand eingehalten, der den eigenen Bewegungsablauf ermöglicht und nicht zu eng ist, um vom Angriff überrascht zu werden. Beide Partner bewegen sich gemeinsam, denn beim AIKIDO beginnt die Verteidigung fast zum gleichen Zeitpunkt wie der Angriff. Wenn der Partner bereits gefasst hat, ist es für eine wirkungsvolle Abwehr schon zu spät.

Die Techniken werden dennoch erst langsam geübt, damit der Anfänger sich den Bewegungsablauf einprägen kann. Erst wenn der Übende nicht mehr überlegen muss, in welcher Reihenfolge die Bewegungen durchgeführt werden müssen, sind schnelle Bewegungen möglich.

Die Jujutsu-Techniken, wie sie in Deutschland gelehrt werden, sind jeweils so aufgebaut, dass die Kraft des Angriffs abgeblockt und gebrochen wird. Die Bewegungen sind nicht rund und geschmeidig wie beim AIKIDO, sondern in mehrere Phasen unterteilt und verlieren dadurch einen Teil ihrer Wirksamkeit. Ausserdem sind die Techniken nicht durch eine übergeordnete Theorie oder eine geistige Grundhaltung verbunden. Sie sind eher einzelnen Tricks vergleichbar. Der Haupunterschied zwischen AIKIDO und Karate liegt in der Art der Bewegungen. Die Karate-Bewegungen sind bis auf wenige Ausnahmen geradlinige Stösse und Schläge. Beim AIKIDO bilden aber gerade die direkten Bewegungen die Ausnahme. Die Partner bewegen sich beim Karate auch nicht harmonisch miteinander, sondern derjenige, der am schnellsten bis zum Partner duchdringt, ist der Sieger bei sportlichen Wettkämpfen (ähnlich wie beim Fechten).

Die hohe Wirksamkeit der AIKIDO-Abwehrtechniken beruht nicht nur auf den Hebelgesetzen, durch deren Ausnutzen man mit geringem Krafteinsatz verblüffende Effekte erzielen kann. Beim AIKIDO werden die Bewegungsabläufe durch das bewusste Atmen unterstützt. Jeder kann sich selbst schnell davon überzeugen, dass ein Schlag, bei dem man einatmet, weniger bewirkt als ein Schlag, bei dem gleichzeitig ausgeatmet und somit die körperliche Kraft verstärkt wird.

Denn Kraft ist natürlich eine Voraussetzung für die Wirksamkeit der Abwehr. Aber es ist nicht die relative, auf einen Körper bezogene physische Kraft gemeint, sondern die absolute Stärke, d.h. ein Höchstmass an Willen und Konzentration. Manchmal ist es möglich, mit körperlicher Kraft einen Angriff abzuwehren. Gegen einen wesentlich stärkeren Gegner wird man aber verlieren, weil die körperliche Kraft und die Technik Grenzen haben - auch bei maximalem Training. Wille und Konzentration haben dagegen keine Grenze. Durch das Training versuchen wir nun, die begrenzten körperlichen Kräfte mit der unbegrenzten Kraft des Willens und der Konzentration zu harmonisieren und dadurch eine maximale Wirkung der Abwehrtechnik zu erreichen.

Das, was auf der Matte geübt wird, soll auf einen möglichen Ernstfall vorbereiten. Aber auch wenn man nicht in die Lage kommt, sich einmal verteidigen zu müssen, so hat das Training noch einen anderen Sinn. Die Schulung des Willens, der Konzentration und des Körpers hilft uns, im Beruf durch konzentrierten Einsatz der Fähigkeiten mehr Erfolg zu haben und schwierige Situationen, wie sie z.B. im Strassenverkehr entstehen können, leichter zu bewältigen. Die gleichmässige Beanspruchung der Muskeln und Gelenke erhält ausserdem den Körper geschmeidig und jung.